Staubige Wissenschaft mal digital
Ein Archäologe gräbt im Staub. Wer die Wissenschaftsgeschichte der Archäologie erforscht gräbt nach den schwer zugänglichen Quelltexten in staubigen Bibliothekswinkeln. Oder er muss die Schriftstücke mit Samthandschuhen anfassen, damit diese nicht selbst zu Staub zerfallen.
Dr. Dietrich Hakelberg und Dr. Ingo Wiwjorra von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel setzen diesen Schwierigkeiten etwas entgegen. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Archäologische Funde in der Frühen Neuzeit” bibliographierten und digitalisierten die Wissenschaftler zwischen 1500 und 1806 erschienene Literatur zu archäologischer Forschungspraxis im Alten Reich (einschließlich der Schweiz und Preußen). In einer Datenbank stehen die Schriften nun im Internet zur freien Verfügung. So eröffnet sich ein direkter und einfacher Zugang zu der Thematik, der die heutige Forschung einen großen Schritt weiterführen könnte. Denn die gedruckte Überlieferung archäologischer Funde ist zwar in ihrem Umfang überschaubar, in ihrer Rezeption aber zu großen Teilen unerforscht.
Dabei enthalten diese Quellen wissenschaftlich ausgefeilte Interpretationen der Bodenfunde als menschliche Artefakte, die weitreichende kulturelle Erkenntnisse liefern. Ausgraben, Sammeln und Publizieren der Fundstücke oder das Abzeichnen von Geländedenkmälern galten den Gelehrten als kulturelle Praktiken zur Gewinnung und Verbreitung ur- und frühgeschichtlichen Wissens.
Die nun in der Datenbank in digitalisierter Form auffindbaren Drucke zeugen von der frühen wissenschaftlichen Beschäftigung mit archäologischen Funden: Bereits im Jahre 1719 gaben zum Beispiel der Barmstedter Pfarrer Christian Detlev Rhode und sein Sohn Albert eine archäologische Zeitschrift heraus, in der sie wöchentlich von ihren nördlich von Hamburg im Holsteinischen ausgegrabenen Fundstücken berichteten.

