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Aufruhr auf heimischen Feldern

Protestaktion gegen Genmais in Braunschweig

Heimlich und unter steter Beobachtung der Sicherheitsleute schlugen in der Nacht vom 23. auf den 24.4. Gentechnik-Gegner auf einem Forschungsacker der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft ihre Zelte auf. Nein, nicht nur Zelte. Sie errichteten einen mehrere Meter hohen Turm, gruben einen Betonblock in die Erde und platzierten grosse Banner: „Wenn Gentechnik sicher wie die Asse ist, dann sind wir ganz schön angepisst!“ Ziel der Besetzung: die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais auf dem Forschungsfeld des „Johann Heinrich von Thünen-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (vTI)“ in Braunschweig zu verhindern.

Im Lager

„Wir können nicht zusehen, wie sie aussähen und tatenlos daneben stehen.“ („Die Sense – Zeitung der Tat“; Frühling 2009)

Genmanpulierte Nahrung ist wohl den meisten ein Begriff – wenn auch nicht immer ein positiver. Bundesweite Umfragen des Bielefelder Forschungsinstituts „tns emnid“ im September 2008 ergaben, dass bis zu 80 Prozent der Bayern und 70 Prozent der Bundesbevölkerung für ein Verbot von Genmais sei, so die Besetzer (Umfrageergebnisse, als Download verfügbar beim „Informationsdients Gentechnik“ unter „Meinungsumfragen“).

Mit einem Plakat am Strassenrand forderten die Aktionisten die  Autofahrer auf, mit zweimaligen Hupen dem Protest gegen die Gentechnik zuzustimmen. Offenbar mit Erfolg, denn angeblich gab es kaum eine ruhige Minute für die am Feldrand stehenden Mahnwacheposten. Sogar Anwohner und Mitarbeiter des Forschungsinstitutes selbst traten an die Gen-Gegner heran, um Hilfe in Form von Strom, Wasser oder Nahrungsmitteln anzubieten. So machte sich Euphorie bei den Besetzern breit.

„Unser Ziel: Gar keine Agrogentechnik. Denn die Ziele stimmen insgesamt nicht – da helfen auch keine Nachforschungen zur Sicherheit der Technik.“ (Aus dem Informationsblatt der Forschungsfeldbesetzer)

So langfristig die Aktion geplant war, so schnell endete sie. „Uns war von Anfang an daran gelegen, dass die Lage nicht eskaliert”, erklärte Dr. Michael Welling, Sprecher des vTI, in einer Pressemitteilung vom 27.4.09. Gleichwohl kam es am Abend des 27.4. zur Räumung der zu bebauenden Fläche durch die Polizei. Angekettet an Betonklötze versuchten die Besetzer ihren Standort so lang wie möglich zu halten, bis Kräne und Presslufthämmer ihren Widerstand im Wortsinne brachen. Sie seien enttäuscht, dass sie ihr Ziel, das Verhindern der Aussaat, nicht erreicht hätten, resümierten die Gen-Gegner. Eine Mahnwache vor dem Haupteingang des Forschungsinstitutes soll jedoch auch die nächsten Wochen noch deutlich zeigen, dass sie die Gentechnik für unerwünscht halten.

80% gegen Gentechnik

„Der Gentechnik-GAU ist, so pervers das klingt, gewollt.“ (Aus dem Informationsblatt der Forschungsfeldbesetzer)

In einem Informationsblatt argumentieren die Protestler mit „Undurchsichtigkeit in Sachen Interessensvertretung, Korruption, Vertuschung, drohender künstlicher Verknappung von Lebensmitteln zur Förderung von Abhängigkeiten“. Insbesondere das Einbringen von genmanipuliertem Saatgut in die offene Natur sei schlichtweg unverantwortlich, weil die Folgen nicht abzuschätzen wären. Insekten und Mikroorganismen würden – sozusagen vom Winde verweht – für unwiderrufliche Ausbreitung gesorgt haben, bevor die ersten Testergebnisse vorlägen, heißt es im Infoblatt. Auch wenige Testfelder könnten so für genmanipulierte Nahrungsmittelrohstoffe sorgen – und das quasi bundesweit. Eine Diskussion um die Fortführung oder den Stop der Versuche wäre dann alsbald hinfällig. Nicht umsonst, so das Infoblatt, sei die Genmais-Sorte MON810 mittlerweile verboten, um unkontrollierbaren Gefahren durch das genmanipulierte Gewächs zu begegnen.

2 Mal Hupen gegen Gentech

Mag sein, dass die öffentliche Akzeptanz für genveränderte Pflanzen in Deutschland gering ist, aber global ist diese Technik auf dem Vormarsch“ (Dr. Michael Welling, Pressesprecher des Bundesforschungsinstituts vTi)

Dr. Stefan Rauschen, Versuchsleiter des am Forschungsfeld beteiligten Instituts für Umweltforschung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, wies gegenüber mikofilm.tv die Anschuldigungen der Gen-Gegner weit von sich. Sein Institut berufe sich auf das auf das von der Bundesregierung am 1. Mai 2008 verabschiedete neue Gentechnikrecht. Dieses bilde den Rahmen für „eine positive Entwicklung und Nutzung der Gentechnik“ und würde obendrein explizit gefördert. „Wir sehen uns als ausführende Kraft im politischen Apparat“, so Rauschen. Von den konkreten Anschuldigungen der Besetzer fühlen er und seine Kollegen sich nicht angesprochen, da alle Beschlüsse auf Seiten der Politik lägen, nicht in den Forschungsinstituten. Der Diplom-Biologe betonte jedoch, dass die Forschung rund um die Auswirkungen des genveränderten Saatgutes in seinen Augen unterlässlich sei. Man müsse sich über eine Thematik und seine Charakteristiken im Klaren sein, wenn man über sie entscheiden wolle. Das Eingehen auf die Forderungen der Feldbesetzer, also dem vollkommenen Stopp der Gen-Versuche, sei darum keinerlei Option, so Rauschen. Aus dieser Perspektive heraus sei für ihn die Räumung des Feldes unausweichlich gewesen.

Auf dem Feld

„Die Entscheidung findet auf den Feldern statt.“ (Aus dem Informationsblatt der Forschungsfeldbesetzer)

Ob geglückt oder nicht, eines ist den Anti-Gen Aktivisten jedoch sicher gelungen: Aufmerksamkeit erregen. Jetzt müsse gehandelt werden, betonten die vertriebenen Besetzer immer wieder. Noch eine Woche wollten sie bei ihrer Mahnwache verharren.

Weitere Informationen zum Gen-Technik Protest in Braunschweig und in anderen Städten findet ihr unter www.gentech-weg.de.vu .

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